Am Sonntag, den 16. September 2012, ging der 11. Kunstwettbewerb der Bundeswehr unter dem Thema „Mobilität! Bewegung. Veränderung?“ festlich zu Ende. In der Berliner URANIA am Kurfürstendamm trafen etwa 80 Gäste zur Preisverleihung und Vernissage zusammen, darunter Teilnehmende des Wettbewerbes sowie namenhafte Vertreter aus Politik, Militär und Kirchen.

Berlin. Feierlich echote die Eingangsmusik des Bläserquintetts vom Stabsmusikkorps Berlin durch die Ausstellungsräume und geleitete die aus ganz Deutschland angereisten Gäste zur Preisverleihung des 11. Kunstwettbewerbes der Bundeswehr. 52 Arbeiten hatten Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilangestellte der Bundeswehr bis zum Mai 2012 zum Thema „Mobilität! Bewegung. Veränderung?“ eingereicht. Elf Werke wurden am 16. September ausgezeichnet. Erstmals in diesem Jahr vergab die Jury, darunter Mitarbeiter des Streitkräfteamts und der Ev. Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS) sowie drei freie Kunstschaffende, auch einen Familienpreis.

Generalleutnant a.D. Wolfgang Otto, Vorstandsvorsitzender der Ev. Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS), begrüßte die Preisträger und Wettbewerbsteilnehmer in Berlin. Im Auftrag des Streitkräfteamtes (SKA) hatte die EAS die Durchführung des Wettbewerbes in diesem Jahr verantwortet. Bei der Gestaltung der außerdienstlichen Betreuung ginge es der EAS darum, dass Freizeitangebote nicht nur konsumiert, sondern aktiv von und mit den Soldaten gestaltet würden, sagte Otto in Berlin. „Der Kunstwettbewerb bietet geradezu idealtypisch die Möglichkeit, die eigenen kreativen Kräfte zu entdecken und schöpferisch umzusetzen. Sie, die Teilnehmer, haben sich dieser Herausforderung gestellt“, sagte er weiter. Diesen Gedanken griff auch der stellvertretende Amtschef des SKA, Brigadegeneral Volker Barth, in seinem Grußwort auf. Er gab zu bedenken, dass die Teilnehmenden des Wettbewerbs unter Beweis gestellt hätten, dass sich auch Soldatinnen und Soldaten mit Emotionen, Inspiration, Sensibilität und Ästhetik auseinandersetzten. Sie seien weitaus mehr als Militärs, mehr als Uniformträger. „Ich wünsche mir, dass der Impuls, die Bewegung, die von dem Kunstwettbewerb ausgeht, weitergetragen wird. Und so hoffe ich, dass auch in Zukunft unsere Frauen und Männer im Anzug, im schlichten Kleid, im Flecktarn mehr sind uns sein dürfen als Menschen, die funktionieren“, betonte Barth in seiner Rede.

Bevor die Gewinner des 11. Kunstwettbewerbes der Bundeswehr ausgezeichnet wurden, ehrte Projektleiter Roland Prüfer alle teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler in einer Laudatio. Prüfer stellte vor allem das persönliche Zeugnis in den Vordergrund, dass in jeder ausgestellten Arbeit verewigt sei. Lasse man sich als Betrachter auf die Werke ein, so werde ersichtlich, dass hier Beziehungen, Gefühle, Ängste, Sorgen und Hoffnungen verarbeitet wurden. Letztlich zeige die Ausstellung zum 11. Kunstwettbewerb der Bundeswehr einen Mikrokosmos des Ganzen – eine Bestandsaufnahme, wie Angehörige der Bundeswehr ihre Situation momentan erleben. „Aber es ist keine Klage, sondern vielmehr ein Gespräch, ein Dialog, eine Bitte eine Frage, die der Betrachter in den Arbeiten beobachten kann“, so Prüfer.

Zum Sieger des 11. Kunstwettbewerbs der Bundeswehr wurde der Zivilangestellte Igor Bröse aus dem bayrischen Weibern gekürt. Seine Farbstiftzeichnung, zugleich ein Selbstportrait, beschreibt die Szenerie eines Traumes, in dem er sich selbst im Afghanistaneinsatz gesehen hatte. Reell aber nimmt Bröse vor allem Anteil an den Berichten von Kollegen, die aus Afghanistan zurückkehren. „Ich höre zu und bin immer neu beeindruckt, was die ,Jungs und Mädels‘ im Einsatz leisten. Sie sind hier und dort, führen praktisch zwei Leben und haben doch nur eines.“ Zu Tränen gerührt nahm Igor Bröse seine Auszeichnung am Sonntag von General Otto entgegen.

Den zweiten Preis erhielt der Stabsgefreite Sven Konrad für seine Fotomontage „Drei Welten“. Sie zeigt drei Gesichter des Soldaten in drei unterschiedlichen Gefühlszuständen. Roland Prüfer, zugleich Mitglied der Fachjury, kommentierte dabei Konrads Werk und den entzweienden Blick auf die Gefühlswelt dieses Mannes mit einer Frage: „Muss er gerettet werden oder ist er derjenige, der uns rettet?“

Stabsunteroffzier Jiahai Ni wurde für seine „sehr sinnliche, poetische und feine“ Kohlezeichnung, wie Jurymitglied Gerwin Eipper sie beschreibt, mit dem dritten Preis belohnt. Ni portraitierte eine zarte Frau im Kontrast zu ihrer rauhen Ausrüstung und stellte dabei auch die Frage, ob diese beides sein könne – Frau und Soldat.

Den Sonderpreis der Jury erhielt Stabsfeldwebel Marc Louia für seine Acrylmalerei „Times are changing“. Louia entdeckte die Kunst vor allem in ihrer therapeutischen Bedeutung für sich. In der Auseinandersetzung mit im Einsatz gemachten Erfahrungen und persönlichen seelischen Verwundungen habe der künstlerische Prozess eine beruhigende, stabilisierende Wirkung für ihn entfaltet. Den erstmalig in diesem Jahr vergebenen Familienpreis erhielt Familie Mocha aus Mechernich bei Köln für eine von Eltern und Kindern gemeinsam angefertigte Tuschezeichnung. Ralf Illauer errang mit dem mit größten Werk des Wettbewerbs, „Der Zebrastreifen“, den vierten Preis. Silvia Binninger, Victor Manuel Olivos Matta, Anna Orywal, Dagmar Ronczka und Torsten Willms teilten sich den fünften Platz.

Die Ausstellung mit allen Werken des jüngsten Kunstwettbewerbs der Bundeswehr ist noch bis Mitte der Woche in der URANIA Berlin zu sehen. Im Anschluss begeben sich die Arbeiten auf Wanderschaft durch die Bundesrepublik. Anfragen interessierter Ausstellungsstätten, z.B. von Schulen oder ausgewählten Kasernen der Bundeswehr, sind an das Streitkräfteamt in Bonn zu richten. Der 12. Kunstwettbewerb der Bundeswehr wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2013 ausgeschrieben.

Pressemitteilung als PDF: 11. Kunstwettbewerb endet bewegend

Foto: Die Ausstellung mit allen eingesendeten Werken des 11. Kunstwettbewerbes wird sich im Laufe des Jahres auf Wanderschaft durch die Bundesrepublik begeben. Hier im Bild zu sehen: Die Preisträger Marc Louia (links) und Jiahai Ni (rechts)
Text und Foto: Tabea Vorwergk, Leiterin Organisationskommunikation der EAS
v.i.S.d.P.: HGF Rolf Hartmann