9. Kunstwettbewerb der Bundeswehr

Thema 2008: Multinationalität – wenn Menschen sich begegnen

Plakat des 9. Kunstwettbewerbs der Bundeswehr. Grafik: ArtvertisementDie Bundeswehr ist aktiv beteiligt an multinationalen Aufgaben und Lösungswegen. Das gilt sowohl für die Stabsebene als auch für die Ebene des Gefreiten, der im Auslandseinsatz anderen Nationen, Kulturen und Religionen gegenübersteht, die womöglich anders denken und handeln als er selbst. Für diese Aufgaben werden die Soldaten speziell geschult, u.a. durch Seminare zur interkulturellen Kompetenz.

Sowohl in militärischen Zusammenhängen als auch im zivilen Leben geht es darum, die plurale Gesellschaft zu akzeptieren und zu lernen, damit umzugehen. Bei multinationalen Einsätzen z.B. der NATO handelt es sich einerseits innerhalb der NATO-Hauptquartiere um ein interoperatibles Handeln, andererseits als Auftrag im Einsatzland um interaktives Handeln. In beiden Bereichen sind verschiedene Nationen involviert.
In zivilen Zusammenhängen wäre eine Parallele die Arbeit der sogenannten »Quartiere« in Brennpunkten einer Stadt, die sich mit Migration, Interkultur, Zusammenleben verschiedener Nationen in einem kleinen Gebiet beschäftigen und Lösungsansätze finden – mit sozialen, kreativen aber auch wirtschaftpolitischen Ansätzen und Mitteln.

Eine Auseinandersetzung mit der Herausforderung multinationaler Zusammenhänge ist eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie die Welt etwa in fünfzig Jahren aussehen soll; aber auch eine Frage, wie jeder selbst in seinem eigenen Umfeld dem Gegenüber begegnet wird; sei es beruflich oder privat. Multinationalität ist ein Thema, dass jeden angeht. Die künstlerische Auseinandersetzung ist unter diesen Gesichtspunkten nicht nur eine äußerst spannende Angelegenheit, sondern auch eine Verpflichtung. Kunst kann neue Sichtweisen anbieten und können gerade die Kreativen in der Bundeswehr einen wichtigen Beitrag leisten.

Eckdaten | PDF (reduziert): Katalog | Faltblatt | Plakat | Grafik: Artvertisement

Preisträger:innen

1. Preis
1. Preis: Silvia Binninger | N.N. | Malerei. Vierteilig, gesamt 180 x 120 cm
Silvia Binninger | N.N. | Malerei. Vierteilig, gesamt 180 x 120 cm

Silvia Binninger

N.N. (Kein Titel vergeben)
Malerei. Vierteilig, gesamt 180 x 120 cm

Jurybeurteilung

Das vierteilige Werk von Silvia Binninger überzeugte die Jury aufgrund der Vieldeutigkeit des Dargestellten sowie der nstlerischen Qualität des Bildes. Das Thema Multinationalitätwurde auf rätselhafte Weise umgesetzt und erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Der Betrachter begibt sich unweigerlich auf eine inhaltliche Suche, da auch kein Titel angegeben ist.

Wie ein Vater beugt sich der Soldat über das gehockte Kind, das ein Bumerang vom Boden heben will. Daneben stehen Kinder teilnahmslos. Scheinbar belanglos mutet die Szene an. Hier geht es um Verständigung, die gestört ist. Der Soldat zeigt seine Hilfsbereitschaft. Offensichtlich ist er von einer anderen Nation, was die Kleidung vermuten lässt. Ohne Worte beugt er sich hinunter und will dem Kind helfen.

Was soll dieser Bumerang? Wieso steht das Kind rechts isoliert da? Was bedeutet der Pfeil über diesem Kind? Wieso ist die Leserichtung des Bildes von rechts nach links wie in der arabischen Welt? Welches Land könnte das sein? Warum ist ein Soldat vor Ort? Wieso ist das Bild viergeteilt? Viele Fragen, viele Antworten.

Die Möglichkeit für Begleittexte wurde beim nächsten 10. Kunstwettbewerb der Bundeswehr eingeführt.

2. Preis
2. Preis: Dietrich Achim Kluge | Am Anfang war das Wort | Malerei, Acryl und Zeichnung auf Bristolkarton. 100 x 70 cm
Dietrich Achim Kluge | Am Anfang war das Wort | Malerei, Acryl und Zeichnung auf Bristolkarton. 100 x 70 cm

Dietrich Achim Kluge

Am Anfang war das Wort
Malerei. Acryl und Zeichnung auf Bristolkarton. 100 x 70 cm

Jurybeurteilung

Der zweite Platz ist dem ersten ebenbürtig und wurde in langen Entscheidungsphasen mit dem zweiten Preis geehrt. Die Jury ist der Meinung, dass diese Arbeit von Dietrich Kluge außergewöhnliches Talent sowie eine tiefe Auseinandersetzung und praktische Erfahrung mit dem Themenfeld bezeugt. Die expressive Malweise und Skizzenhaftigkeit unterstreicht die Momentaufnahme des Dargestellten, aber auch eine sozialkritische Haltung, die zum Nachdenken und Diskutieren anregt.

Auf der linken Bildhälfte lehnt ein kleines Mädchen in roter Kleidung an eine Wand und schaut zu dem hockenden Soldat, der weit rechts im Bild dem Betrachter hinter einer Sonnenbrille entgegen blickt. Bedrohlich wirkt der Soldat u.a. wegen seines großen Gewehres, das Kind ist sichtlich ängstlich und eingeschüchtert.

Hier findet keine Kommunikation statt.

Beide Personen sind womöglich verschiedener Nationen. Doch beim genauen Hinsehen auf das Bild erscheint unten mit hartem Bleistift geschrieben: „Am Anfang wäre das Wort“. Mit geradezu biblischer Dimension im Konjunktiv gibt Kluge hier die Lösung an. Doch sie zu erfüllen, müssten beide Personen im Bild aufeinander zugehen.

Die Möglichkeit für Begleittexte wurde beim nächsten 10. Kunstwettbewerb der Bundeswehr eingeführt.

3. Preis
3. Preis: Norbert Böhm | Multinationalität/ Begegnungen | Malerei. Öl auf Leinwand. 150 x 100 cm
Norbert Böhm | Multinationalität/ Begegnungen | Malerei. Öl auf Leinwand. 150 x 100 cm

Norbert Böhm

Multinationalität/ Begegnungen
Malerei. Öl auf Leinwand. 150 x 100 cm

Jurybeurteilung

Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Multinationalität“ erreicht Norbert Böhm in seinem Bild durch die Kombination mehrerer Aspekte, was die Jury faszinierte und mit dem dritten Preis würdigt. Die Präzision der künstlerischen Technik ist erstaunlich und beweist ein hohes Maß an Fertigkeit und Geduld des Malers.

Auf dem detailreichen Bild eine große Menschenmenge dargestellt, die sich in einer Landschaft bewegt. Die Landschaft ist geteilt in eine warme und eine kalte Region, wie auch die Kleidung der Personen sich den Regionen anpasst. Offensichtlich wandern die Personen der linken Bildhälfte nach rechts, während die Menschen der rechten Seite nach links durch sie hindurchgeht, ohne miteinander zu reden. Es bilden sich keine Gruppen.

Dem Bild haftet etwas Mystisches an. Der Titel des Bildes lautet auch

„Begegnungen“, obwohl diese dargestellten Begegnungen ohne Gespräch auskommen. Der Betrachter wird auf eine spannende Reise mitgenommen.

Die Möglichkeit für Begleittexte wurde beim nächsten 10. Kunstwettbewerb der Bundeswehr eingeführt.

Fotografien der Werke: SKA

Eckdaten

2008: Multinationalität – Wenn Menschen sich begegnen

9. Kunstwettbewerb der Bundeswehr 2007/2008

Ab jetzt alle Gestaltungsmittel möglich, neue Preisgestaltung, neue Bezeichnung des Wettbewerbs, neu: optionale Vergabe eines Sonderpreises der Jury. Erstmals eine Webseite online unter www.kunstbw.de. Einfacher Katalog mit den ersten drei Preisträger:innen und Grußworte

Organisation: Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

38 Teilnehmende
Datum der Preisverleihung: 25. Mai 2008
Ort: Dr. Julius-Leber-Kaserne, Berlin

1. Preis: Ang Silvia Binninger (Malerei)
2. Preis: Oberst d.R. Dietrich Achim Kluge (Zeichnung, Malerei)
3. Preis: Ang Norbert Böhm (Malerei)
5. Preise: Roland Landenberger, Ingrid Sanders, Karl-Heinz Schröer und Team, Jessica Strödick
Sonderpreis: Bernd Diehl (Trickfilm)
Sonderpreis der Jury: Patrick Hoffmann und Team (Planspiel)

Jury:

  • André Weimar – Artvertisement
  • Elke Reinhardt – Leiterin des Instituts für Kunsttherapieausbildung
  • Roland Prüfer –Projektleitung
  • Major d.R. Sören Lingenberg – Referatsleiter Eventmanagement der EAS
  • Boris Zuro – Bildhauer und Maler, Kunstkoordinator der OHG der Julius-Leber-Kaserne
  • OTL Günther Otterski – SKA, Dezernatsleiter VI 1 (4)