Generation zwischen den Erinnerungen

Junge AutorInnen aus Bosnien-Herzegowina und Deutschland

Wie sind die Bücher entstanden?

Mitte 2005 regte der Truppenpsychologe Prof. Horst Schuh im EUFOR-Lager (Rajlovac, Bosnien) eine Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität an, die ganz im interkulturellen Sinne sowohl die Soldaten sensibiliseren sollte als auch der jungen Generation einen Einblick in die Arbeit der EUFOR zu geben. Daraus ist die erste Publikation »Sterne über Rajlovac« als eine Art Tornisterschrift für die deutschen Truppen entstanden. Gedruckt wurde der Band in Sarajevo.

Um diese Verbindung zu pflegen und zu fördern, wurden die Studierenden nach Deutschland eingeladen.

Teilnehmerkreis am Seminar in Strausberg

TeilnehmerInnen am Workshop in Strausberg

TeilnehmerInnen am Workshop in Strausberg

Sieben bosnische TeilnehmerInnen reisten über 1500 km mit dem Bus aus Sarajevo an. Sie studieren Germanistik an der Universität zu Sarajevo und kamen in Begleitung ihres Magisters Vahidin Preljevic. Die deutsche Sprache beherrschen sie ausgezeichnet, was nicht nur aufgrund ihres Studiums zu verstehen ist, sondern auch, weil die Studierenden nach dem Krieg in Ex- Jugoslawien im deutschsprachigen Exil gelebt haben.
Unter Ihnen sind auch ein übersetzer für die deutschen Truppen in Bosnien und Herzegowina sowie ein Linguist.
Von deutscher Seite: Studierende der Kulturwissenschaften in Frankfurt/ Oder, Absolventen der Kulturwissenschaften in Frankfurt/ Oder und Hildesheim, Reserveoffiziere und Berufsoffiziere und ein übersetzer.
Viele der deutschen BundeswehrsoldatInnen waren in Bosnien und Herzegowina stationiert; überwiegend in Rajlovac.

Eine Woche Berlin – das Seminar

Das Seminar »Kommunikation, Konfliktbearbeitung und Kultur« fand in der Woche vom 17. bis 22. April 2006 statt. In Zusammenarbeit mit der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation organisierte Oberst d.R. Prof. Horst Schuh mit seinem Team ein umfangreiches und spannendes Programm. Gerade die Kombination mit Bundeswehrkreisen zeigt die politische Ebene des Zusammentreffens: deutsche Truppen sind in Bosnien und Herzegowina Teil der Friedenstruppe EUFOR.

Ziel des Seminars war zum einen, die guten Beziehungen untereinander auszubauen und die Kultur des Anderen näher verstehen zu lernen, als auch über die aktuelle politische Situation in Bosnien und Herzegowina zu diskutieren. Wir sprachen mit den zuständigen Beautragten der Bundeswehr im Verteidigungsministerium, im Bundestag und in der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP).

Als weiterer Höhepunkt der Tagung hatten wir eine Audienz bei seiner Exzellenz dem Botschafter von Bosnien und Herzegowina. Besonders die weitreichenden bilateralen Beziehungen wurden gewürdigt mit dem erklärten Ziel, auch in Zukunft gemeinsam an der bestehenden freundschaftlichen Beziehung zu arbeiten.

Im Hinblick auf die Gruppe als Mikrokosmos der staatlichen Dimensionen entwickelten sich in Workshops interessante Annäherungen an das Eigene und das Fremde, wie es bereits vor 50 Jahren Leo Spitzer treffend formulierte. Selbstbild, Fremdbild, vermutetes Selbstbild wurden mit 18 Begriffen (übrigens die Teilnehmerzahl) charakterisiert; die Bosnier für sich und die Deutschen für sich. Es entstand ein für deutsche Seite klassisches Bild des organisierten, unentwegt arbeitenden Deutschen, der grübelnd denkt. Klischee trifft Wirklichkeit. Den Bosniern wurde aber ebenfalls das Organisieren als zweitwichtigste Eigenschaft zugeordnet im Fremdbild. Sie selbst sehen sich anders: Feiern, Singen und Erfinden stand an erster Stelle. Die Auflösung war um so überraschender, als Prof. Horst Schuh dieses Kompliment erklärte als noch unerkanntes Potenzial für die Bosnier, mehr Selbstvertrauen aufzubauen.

Strausbrdo ist ein deutsch-bosnisches Kunstwort

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Logo des Strausbrdo-Verlages

»Straus« (deutsch) und »Brdo« (bosnisch = Berg). Es bezeichnet »Strausberg«, eine Stadt zwischen Berlin und Frankfurt/Oder – dem Seminarort. Den Namen gab sich die Gruppe am Ende des Seminars bei gutem Wein in den Abendstunden. Es symbolisiert durch seine Zweisprachigkeit und der Prägnanz die Geschlossenheit der Gruppe, aber weiter noch den interkulturellen Wunsch.