Sterne über Rajlovac

Berlin, 19.04.2006 von Oliver Platschke

Germanistikstudenten der Universität Sarajevo schreiben Lyrik. Die Texte setzen sich mit der Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft in Bosnien und Herzegowina auseinander. Das ist soweit nichts Besonderes. Die spezielle Geschichte der Autoren, das Ziel und die Unterstützung seitens der Bundeswehr in Bosnien und Herzegowina schon.

General Johann-G. Dora, Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, dankte für die “nicht alltägliche und gute Initiative”. Fast alle Autoren, die in “Sterne über Rajlovac” ihre Gedanken öffentlich machen, waren während der Buchübergabe im Berliner Bendlerblock dabei. Ziel sei es, seitens der Bevölkerung aber auch auf Seiten der Soldaten Verständnis füreinander zu erzeugen. Das gehöre auch zur Friedensvorsorge, so der Herausgeber Oberst d. R. Prof. Horst Schuh.

Die Gegensätze sind ein Jahrzehnt nach Ende des Krieges auf dem Balkan noch immer sichtbar. Neue Einkaufszentren neben Minenwarnschildern. Einzelne zerschossene Häuser mit verwilderten Gärten neben noch unverputzten neuen Einfamilienhäusern, vor denen Kinder spielen.

Die Autoren

Auch die Texte sind gegensätzlich. Bosnier und Bosnierinnen am Anfang der Zwanziger fassen ihre Träume, Sehnsüchte und ängste in Worte. Die meisten haben infolge der Kriegswirren mehrere Jahre ihrer Kindheit in einem deutschsprachigen Land verbracht. So gibt es jeden Text und jedes Gedicht in zwei Muttersprachen. Deutsch und bosnisch. “Es wird ein Einblick in die Bewusstseinslage einer ganzen Generation gewährt, die dazu verdammt ist und zugleich das Glück hat, zwischen zwei Welten zu wandern und Grenzen zu überqueren.”, so die Herausgeber in ihrem Vorwort.

Wie enstand das Buch?

Initiator Oberst Professor Horst Schuh wählte als Titelbild den alten Bahnhof Rajlovac. Niemand wagt sich in die Nähe dieses Hauses. Es stand inmitten der Kampflinien. Aber auch für die vielen Soldaten der internationalen Friedenstruppe war und ist der Bahnhof Rajlovac ein Mahnmal. Organisiert durch Truppenpsychologen und Militäseelsorger begegnen sich Soldaten und Einheimische auf Augenhöhe. Kulturelle Unterschiede sollen dabei überbrückt werden. Dialog wird gefördert. Die Zusammenarbeit des Redaktionsteams mit den Literaturwissenschaftlern bei der Herausgabe des Buches ist ein guter Start. In Vorträgen und Exkursionen soll auch weiterhin der Kontakt nicht abreisen.

Herausgeber Schuh: “Die Texte sind poetische Dokumente einer skeptischen Generation”. Alma Dilaver bringt es durch die Konfrontation der Träume mit der Realität in einem Vers auf den Punkt:

Und ich weiss
Dass ich noch lebe
Solange ich Kraft
Dazu aufbringe
Traum zu wählen
Neben dem Wachsein 

Quelle: »Link zum Artikel auf der Webseite der Bundeswehr