Es wird eng hergehen am Wochenende auf Markt– und Johannisplatz: Die Gmünder Art braucht Platz, die Altersgenossen auch und wer zum Wochenmarkt will oder zur Langen Einkaufsnacht, möchte auch noch durchkommen. Mittendrin im Geschehen steht ein alter Radpanzer.

KUNST (rw). Der ist massivstes Bestandteil einer Installation von Ira Grau und ist garantiert ein Hingucker der „Gmünder ART“. Hinzu kommen ein Dutzend lebensgroße Puppen, weiße Marshmallow- Männer, die in Einweganzügen stecken, wie sie sonst Heimwerker aus dem baumarkt holen, und eine Menge rot angestrichener Plastikraben, die sonst — in Schwarz — Tauben verscheuchen. Die Kanone des Panzers ist auf die Johanniskirche gerichtet.
Das amerikanische Vintage- Kriegsgerät aus Weltkriegstagen stammt aus dem Bestand von Kiemeles Seifertshofener Militaria- Sammlung; theoretisch ist der Radpanzer sogar noch fahrtüchtig, wird aber am Donnerstag schon per Radlader angeliefert.

Was das soll? Kunst halt, die zeigen will, dass sie im Leben angekommen ist. Vielleicht sorgt die Installation für Diskussionsstoff, darauf setzt zumindest Ira Grau. „Es soll nicht despektierlich sein“, sagt die Künstlerin, aber es solle schon zeigen, dass Aggression und Krieg zum Sommer 2011 gehören „wie alles andere auf dem Marktplatz auch, wie Urlaubspläne schmieden oder ein Eis schlecken. Es ist mitten im Leben.“ Auch wenn sich die Wirklichkeit des Krieges gerade weit, weit hinten abspielt, wo die Völker aufeinanderschlagen, im Nahen und im Mittleren Osten. Immerhin ist die Bundeswehr in Afghanistan seit Jahren dabei. Ein „Denk- Mal“ also, schwerer als 5,5 Tonnen, so nennt Ira Grau ihre Installation.
Es steht dort, wo sich die Siebziger nach dem Umzug zum Alois- Singen postieren. Aber möglicherweise kann man gerade mit deren Toleranz rechnen: Sie waren jung, als 1968 bis 1970 die Kunstmärkte in Schwäbisch Gmünd für Furore sorgten. Und vielleicht treibt die Sehnsucht nach bewegteren Zeiten, selbst wenn man sie kaum bewusst erlebt hat, die 35 teilnehmenden bildenden Künstler der Gmünder ART auf die Straße und die Plätze: Kunst und Künstler würden sich gerne wieder einmischen, „raus aus dem Elfenbeinturm“, wie Stadt- Pressesprecher Markus Herrmann sagt.

Die Stadt und ihr Kulturbüro unter Ralph Häcker steht schließlich hinter der Gmünder ART, die vom Unikom- Kunstzentrum auf die Füße gestellt wird: „Das Unikom stellt etwas auf die Beine, was Bezug zu Gmünd als Innovationsschmiede hat“, sagt Markus Herrmann. Werbung für die Stadt zum Nulltarif also. Die Stadt lasse den Künstlern und Künstlerinnen absolut freie Hand, unterstreicht Kuratorin Nani Angstenberger, die für die Bildende Kunst verantwortlich zeichnet (Unikom- Mitstreiter Svend Renkenberger für alle anderen Sparten): „Wir fühlen uns nicht als Dekorateure. Freut mich, dass wir ernst genommen werden und so agieren können.“

Es ist auch ihr Wunsch: Die Besucher sollen ins Gespräch kommen. Untereinander, vor allem aber auch mit den Künstlern, die alle entweder aus Schwäbisch Gmünd kommen oder einen engen Bezug zur Stadt haben. Was sie im Prediger und auf dem Johannisplatz zeigen — dort ist das Gros versammelt -, sind neue Projekte, nichts aus dem Fundus. Mit der Installation „GD II — Eine Stadt im Wandel“ setzt sich beispielsweise Waltraud Pfitzer- Stütz kritisch mit ihrer Stadt auseinander, indem verschiedene Ansichten der Gmünder Innenstadt in einer Kollage dargestellt werden. Die Besucher können durch Umstellen dieser Elemente verschiedene Ansichten erzeugen.
Über die Teilnahme von Walter Giers freut sich Nani Angstenberger besonders. Er seit stets Gmünd treu verbunden geblieben. Ob es sich um Stadtgestaltung, Stadtbeleuchtung, die Landesgartenschau handelt — Walter Giers setze sich mit der Thematik auseinander. Auf der Gmünder Art präsentiert er zusammen mit seinem Sohn Victor im Prediger ein „Lichtbuch“.
Dies sind nur Facetten des Gesamtprogramms, das zudem Menge Musik, Theater und Literatur umfasst. 300 Akteure sind dabei, Freitag, 1. Juli, von 18 bis 24 Uhr; Samstag, 2. Juli, von 13 bis 24 Uhr. Es ist garantiert was los in der Stadt.

Schwäbisch Gmünd, 28. Juni 2011
Quelle: