Startseite

Digitale Preisverleihung 01

Digitale Preisverleihung. Montage: EAS

Berlin, 15. April 2021. Die fünfzehnte Ausgabe des Kunstwettbewerbs der Bundeswehr rief alle Bundeswehrangehörige dazu auf, sich künstlerisch mit dem Thema »Diversität – Die Vielfalt der Bundeswehr als Einheit« auseinanderzusetzen. Während traditionell die Preisverleihung im Sitzungssaal des Verteidigungsausschusses im Berliner Paul-Löbe-Haus stattfindet, wurden pandemiebedingt die zehn Gewinner erstmals im Rahmen einer digitalen Preisverleihung mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gewürdigt.

Bis zum 13. Juli 2020 hatten alle militärischen und zivilen Angehörigen der Bundeswehr die Möglichkeit, sich mit dem Thema »Diversität« zu beschäftigen und mit ihrem persönlichen künstlerischen Beitrag am 15. Kunstwettbewerb der Bundeswehr teilzunehmen. Insgesamt sind 116 Teilnehmende diesem Aufruf gefolgt und haben ihre ganz persönliche Arbeit in 89 individuellen Werken – angefangen bei klassischen Malereien und Bildkollagen über literarische Beiträge bis hin zu digitalen Videoproduktionen – bis zum Ablauf der Einsendefrist eingereicht, die am 14. Juli von einer unabhängigen Fachjury bewertet wurden.

»weiterlesen

15. Kunstwettbewerb der Bundeswehr

Thema 2020: Diversität

1. Preis
1. Preis. Cornelia Vonderlind. Zwischen Vielfalt und Einheit. Zeichnung. 50 x 70 cm
Cornelia Vonderlind. Zwischen Vielfalt und Einheit. Zeichnung. 50 x 70 cm

Cornelia Vonderlind

Zwischen Vielfalt und Einheit
Farbstiftzeichnung. 50 x 70 cm

Jurybegründung

Wer bin ich? Und wer sind wir? Wenn ich Soldatin bin, bin ich dann auch Soldat? Wenn ich beim Heer diene, diene ich dann auch bei der Marine? Wenn ich zu Hause bin, bin ich dann nicht auch überall?

Geburtsort: Erde

Rasse: Mensch

Auftrag: Verteidigung

Ziel: Freiheit

So einfach und doch so schwer ist es, vielfältig zu sein. Das Portrait eines Menschen wird hier facettenartig dargestellt, wobei es kein Zentrum gibt, sondern die Trennlinien verlaufen ohne System. Jeder Zwischenraum im Portrait ist anders besetzt, die Klarheit der Eindeutigkeit ist ausgehoben, das Ziel ist die absolute Freiheit der eigenen Persönlichkeit.

Nicht weniger als dieses Ziel gelingt der Künstlerin in ihrem Werk. Neben der inhaltlichen Lösung des Unlösbaren ist die bemerkenswerte künstlerische Qualität zu betonen, die spielerisch und ohne Zwang meisterhaft das gegebene Thema umsetzt.

Das Thema »Diversität« ist wahrlich ungreifbar und doch real. Die gewählte Technik und die Motivwahl interpretieren den Untertitel »Die Vielfalt der Bundeswehr als Einheit« kongenial.

Mit Farbstift gezeichnet ohne Computer auf unbehandeltem Untergrund wirkt dies fast wie eine traditionelle Technik, die an manchen Stellen an Zeichnungen aus der Renaissance erinnert. Und der Vergleich passt: denn die Wiederentdeckung des eigenen Ichs, des freien Geistes in der Vielfalt der Möglichkeiten ist genau das, was Diversität beinhaltet. Der Bezug zur Bundeswehr ist klar erkennbar und doch nicht aufdringlich, sondern im gleichen Verhältnis wie der Bezug zu sich selbst und zur Umwelt. Das ist es, was diese Arbeit auszeichnet: nicht die Schwerpunktsetzung ist entscheidend, sondern das große Ganze zu verstehen, zu akzeptieren und zu respektieren. Das ist das Ziel: Freiheit. Als Mensch auf der Erde. Das gilt es zu verteidigen.

Beschreibung

„Diversität – Die Vielfalt der Bundeswehr als Einheit“

Diversität ist ein ständig wiederkehrendes Thema, vor allem im Kontext mit Diskriminierung. Ein Thema, das gerade wieder nicht aktueller sein kann. Auch wenn zurzeit alle Welt nach Amerika blickt, haben wir Diskriminierung jeden Tag um uns herum. Diversität ist Vielfalt – verschieden sein – egal, ob im Hinblick auf Aussehen, Vorlieben, Geschlecht, Beruf, Abstammung, Religion usw. Die Bundeswehr als Einheit geht mit gutem Beispiel voran, geht immer mehr Schritte hin zu Toleranz, Gleichstellung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch zwischen den Menschen, auch innerhalb der Bundeswehr, ist Diversität dennoch ein sehr bedeutendes Thema. Vor allem Geschlechterrollen, Truppengattungen, die Unterscheidung zivil oder militärisch, Dienstgrad, spielen hier zusätzlich eine Rolle.

Dabei gibt es nichts Natürlicheres als verschieden zu sein, nichts Schöneres als Vielfalt. Wie langweilig wäre es, wären wir alle gleich.

Ich wünsche mir, dass Unterschiedlichkeit in allen Bereichen anerkannt wird, dass Menschen sich gegenseitig respektieren – immer. Nicht irgendwann – ab heute. Das Ziel ist Freiheit – dass Menschen sich frei entfalten können, ohne dafür verurteilt, beschimpft oder ausgegrenzt zu werden. Ganz egal, welche Merkmale auf sie zutreffen, welche Kriterien Sie erfüllen, wie sie sich selbst darstellen wollen – oder eben nicht.

Ich bin ein Teil der Bundeswehr, ein Teil der deutschen Gesellschaft und Europas, ein Teil der Welt als Ganzes.

Dieser Thematik wird mit diesem Bild Ausdruck verliehen. Es handelt sich um ein Selbstportrait und gleichzeitig beinhaltet es viele verschiedene Facetten. Welche Kriterien ich erfülle, wie ich aussehe, welche Funktion ich in der Bundeswehr habe, welchen Rang ich besitze, ob zivil oder militärisch – ist nicht eindeutig erkennbar und sollte auch vollkommen unbedeutend sein. Denn in erster Linie bin ich ein Mensch, der es verdient, respektvoll behandelt zu werden und sich frei entfalten möchte. Ein Teil der vielfältigen Einheit Bundeswehr.

Die Farbstiftzeichnung mit dem Titel: „Zwischen Vielfalt und Einheit“ ist zum Teil recht präzise, zum Teil jedoch auch sehr skizzenhaft dargestellt. Vor allem optische Merkmale wie Augenfarbe, Hautfarbe, Haarfarbe sind in den Bereichen farblich unterschiedlich dargestellt, in einigen Bereichen auch komplett offen skizziert, denn die Farbe ist unbedeutend und die Vielfalt grenzenlos. Die Balance zwischen der Kontroverse Vielfalt und gleichzeitiger Einheit soll durch die verschiedenen Abschnitte zum Ausdruck gebracht werden. Jede Farbe ist hier denkbar und einsetzbar. Das einzig offensichtliche Merkmal ist meine Haarlänge. Dem geschuldet, dass die Haare benötigt werden, um die Zeichnung optisch etwas zusammenzuhalten. Für den militärischen Bereich wurde vollständig auf das Zeigen von Dienstabzeichen verzichtet. Jede Truppengattung findet sich in dem ein oder anderen Bereich wieder. Jeder soll sich angesprochen, niemand ausgegrenzt fühlen.

Der sehr umstrittene Begriff „Rasse“ wird hier ganz provokativ verwendet, um die Problematik der Rassendiskriminierung/ des Rassismus in den Vordergrund zu stellen, denn letztendlich sind wir alle vor allem eines: Mensch. Erdenbürger. Gleichwertig. Mit dem Wunsch nach persönlicher Freiheit.

Und wir alle – DU, ICH, WIR, als Bundeswehr, als Gemeinschaft, als Menschen – sollten nicht aufhören, für diese Werte einzustehen und diese zu verteidigen.

Mit jedem Blick fügen sich andere Teile der Zeichnung zusammen, verbinden sich andere Aspekte zu einem – viel Spaß beim Entdecken und Betrachten.

Gruppenpreis

Copyright Video: EAS | Copyright Audio: Brodka/Scholz | Video: 100 MB

Benedikt Brodka und Veronica Scholz

Mehrwert
Slam-Poesie mit Musik. Slam-Poesie (Scholz) und Klavier (Brodka). 6:08 Minuten

Beschreibung

Songtext

MEHRWERT!

 

Vielfalt steckt zwischen dem „Uns“ und dem „Wir“, und handelt vom „Ich“ und vom „Dir“.
Diversität, Farbig, Bunt, in der Bundeswehr.

 

Sie passt gut hier her,
ist sie doch immer noch ein Kampf. Ein Kampf der Köpfe,
nicht immer mit den Waffen der Vernunft geführt.

 

Realität trifft auf Klischee.
Wer wenn nicht diese Parlamentsarmee kennt sich damit aus?

 

Ein ausrasierter Nacken und ein Dutt, reduzieren Vielfalt auf den ersten Blick. Wo der Unterschied
zunächst nur auf den Schultern schlummert und festgeklettet überm Herzen klebt.

 

Ist über den beiden Oberarmen,
inmitten der beiden Deutschlandfahnen, ein Geist platziert,
der so nur einmal existiert.

 

Diversität beginnt da,
wo die Uniform die Bahn betritt. Wo jenes Gesicht,
das Gesicht des Systems wird.

 

Wo in der Grundausbildung
aus der Zweck‐WG ein Zug entsteht und wichtiger Zusammenhalt
über jegliche Klischees geht.

 

Wo in der militärischen Einheitlichkeit erst recht der Unterschied sichtbar wird.
Wo Vielfalt nicht die vielfältigen Vorschriften sind
und mehr ist als das Privatfach im Stubenspind.

 

Wo bei der Einkleidung,
die Ausrüstung kleinteilig ausgehändigt wird und die reichende Hand, so viel reicher ist,
weil sie die Welt mit anderen Maßstäben misst.

 

Wir sagen das ist Inklusion und freuen uns. Doch was aufrichtig Freude heißt,
wissen nur die wirklich Reichen,
die, die mit der ehrlichsten Freude in dieser Truppe
Uniformen hinüberreichen.

 

Führen durch Vorbild, Vielfalt bildlich vorgelebt.
Wo der Glaube unterscheidet,
dessen Kraft aber eint.

 

Wo ein Tattoo mehr sagt
als ein wortkarger Kamerad.
Wo ein Ohrring von Individualismus zeugt
und der Patch, ein Stück stofflichen Stolz zeigt.

 

Wo das Thema Diversität
manchmal alkoholischen Anstoß braucht. Wo charmant nachgefragt wird,
was okay ist, uninteressant. Hauptsache Herkunft und Hautfarbe, Kultur und Aussprache
sind für alles andere irrelevant.

 

Diversität ist nicht die Existenz von Unterschieden, sondern das respektvolle Zusammenleben
mit eben jenen.

 

Wo wir Chromosomen keine Macht mehr geben, weil Männer und Frauen endlich
gleichberechtigt nebeneinander leben. Wo Einsatz und Elternzeit
beides Dienst an der Gesellschaft ist.

 

Wo ein Mann einen Mann
oder eine Frau einer Frau liebt
und ein jeder jedem einen Ring gibt.
Ein Versprechen, das als Splitterschutzweste der Seele fungiert. Wen interessiert da Frau oder Mann,
wenn das die stärkste Waffe nicht zerstören kann.

 

Wo ein Witz der Vielfalt Grenzen setzt, weil er das Herz verletzt.
Da tief drinnen in der Seele, ist alles so weich und zart.
Doch wird es mit Witz um Witz, Stück für Stück steinhart.
Weil der Entscheidende nicht mitgelacht hat.

 

Diversität heißt nicht einfach, aber lehrreich, vor allem für die, die so reich an Leere sind. Wo ein Kleingeist geistlos Überhand gewinnt. Ist Vielfalt das, was aufs Wesentliche besinnt.

 

Diversität auf kleinstem grau‐blauem Raum komprimiert. Ein Schiff,
als Wellenbrecher der stürmischen Wogen der Meinungsgischt. Auf 140m Stahl, kann Vielfalt keiner entfliehen.
Denn ich kann nicht ohne Dich und du nicht ohne ihn.

 

Ein paradoxes Paradebeispiel als maritimer Mehrwert
Denn wir sind alle sind mehr und all das ist es wert.

 

Wo hinter roten Backsteinbauten und in Bürosesseln, Abzeichen beehrte Versehrte sitzen.
Einst im Einsatz eingesetzt,
wird heute im Papierkrieg gekämpft. Bewaffnet mit Kugelschreiberminen,
für die Wortgefechte an der Paragraphen Front. Wo nicht Menschen, sondern Argumente fallen, fällt ein Versehrter unter Unversehrten auf.

 

Diversität fällt noch viel zu oft, viel zu sehr auf, Sie ist erst aufrichtig richtig da,
wenn bunt normal und nicht der Rede wert ist,
in der Einheitlichkeit einheitlich als Wert gelebt wird.

 

Sie fängt bei jedem einzelnen Soldaten
Und jeder einzelnen Soldatin an,
Als Respekt, den man nicht befehlen kann!